Der scheinbare Widerspruch
Trotz sinkender Stellenzahl beklagen 85 Prozent der Unternehmen einen Mangel an IT-Fachkräften. 79 Prozent erwarten, dass sich die Lage künftig sogar weiter verschärft. Und eine einmal ausgeschriebene IT-Stelle bleibt im Schnitt 7,7 Monate offen – genauso lange wie zwei Jahre zuvor. Weniger Ausschreibungen bei gleichbleibend langer Vakanz: Das ist kein Zeichen von Entspannung, sondern von Zurückhaltung.
Der Grund liegt in der Konjunktur. Viele Unternehmen stellen vorsichtiger ein, schieben Projekte oder frieren Budgets ein. Die Nachfrage ist nicht verschwunden – sie ist aufgestaut. Sobald die Wirtschaft anzieht, trifft dieser Rückstau auf denselben knappen Talentpool wie zuvor.
Warum die Besetzung so lange dauert
Die 7,7 Monate sind der eigentlich interessante Wert. Denn die Bitkom-Daten zeigen: Es scheitert selten an fehlendem Interesse, sondern an der Passung. Die häufigsten Gründe für unbesetzte Stellen:
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Gehaltsvorstellungen passen nicht zur Qualifikation (63 %) oder nicht ins Gehaltsgefüge des Unternehmens (56 %)
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Fehlende Umzugsbereitschaft der Bewerberinnen und Bewerber (44 %)
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Unternehmen können umgekehrt Wünsche nach mobilem Arbeiten (43 %) oder flexiblen Arbeitszeiten (29 %) nicht erfüllen
Anders gesagt: Der Markt ist nicht leer, aber er ist eng geführt. Es geht nicht darum, mehr Lebensläufe zu bekommen, sondern die wenigen wirklich passenden Profile zu finden – und zwar schneller, als die Konkurrenz es tut.
Was Unternehmen daraus mitnehmen sollten
Wer bei 7,7 Monaten Vakanz weiter auf Masse setzt – Stelle ausschreiben, warten, Bewerbungen sichten – verliert doppelt: Zeit und Marge. Jeder Monat einer unbesetzten IT-Stelle kostet Produktivität, verzögert Projekte und bindet interne Ressourcen. Der Hebel liegt nicht in mehr Reichweite, sondern in einem präziseren, schnelleren Prozess: klar definiertes Profil, aktive Ansprache statt passives Warten, vorqualifizierte Kandidatinnen und Kandidaten statt ATS-Stapel.
Die Bitkom-Zahlen 2025 sind kein Grund zur Entwarnung. Sie sind eine Aufforderung, den eigenen Recruiting-Prozess ehrlich zu prüfen. Denn der Engpass wird nicht kleiner – er wird nur besser versteckt.
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